Donnerstag, 24. September 2015

Time goes by so fast!

Woow, nun ist schon fast die zweite Woche im Projekt und der erste Monat in Afrika um! Wo ist die Zeit geblieben? 

"Madamme Poolin can I go outside?" es schauen dich zwei große Augen eines vor dir knienden Kindes an. Eine so simple, hier alltägliche Situation, und du verstehst die Welt nicht mehr. Warum geht das Kind vor mir auf die Knie, wenn es mit mir reden will? Was möchte es mitten im Unterricht draußen tun? und seid wann können unsere Kinder aus der Preeschool-Klasse englisch? Ich antworte: "What do you want to do there?". Keine Reaktion des Kindes... Mit der Zeit verstehe ich das alles: Es ist hier normal, dass die Kinder auf die Knie gehen, wenn sie zu einer Autoritätsperson sprechen, über den Toilettengang wird nicht offen gesprochen und der Satz ist dann doch leider der Einzige, den die Kinder auf Englisch beherrschen. 


Die Kinder kommen hier um sieben Uhr zur Schule, putzen das gesamte Schulgelände, sie fegen selbst die Sandwege.. Ja einige Dinge verstehe ich bis heute noch nicht. Anschließend gibt es dann Frühstück für die Kinder, vor dem Unterricht wird sich in Zweierreihen aufgestellt und es werden einige Disziplinübungen durchgeführt, anschließend gibt es ein Gebet und der Unterricht beginnt gegen halb neun. Nach dem Unterricht um halb eins, gibt es dann Lunch, die Kinder waschen sich, putzen die Klassenräume und um zwei geht es mit dem Nachmittagsprogramm weiter (Sport, Clubs, Eigenentertainment, Bibelstunde oder Skills). Um halb vier gehen alle Heim.
Für viele Kinder, die das Tetekela besuchen, sind das die einzigen zwei Mahlzeiten, die sie am Tag bekommen, ist das die einzige Möglichkeit sich zu waschen und sehr wichtig: ist das die einzige kostenlose Möglichkeit Bildung zu erlangen. Sie bekommen einen geregelten Tagesablauf, werden versorgt und lernen Regeln. Man bekommt immer wieder zuhören, welche Kinder Halbwaisen sind, bei einem Jungen ist die Mutter so verwirrt, dass man nicht einmal genau weiß, wie alt er ist, bei einem Anderen ist Vater gestorben und Mutter schwerkrank... Das Tetekela ist also ein Zufluchtsort für sie, geprägt von VERTRAUEN! 


Mal abgesehen vom Fegen der Sandwege bleiben für uns aber auch noch viele Dinge hier ein Rätsel insbesondere einige Erziehungsmethoden. Eines Morgens holte Charity (die einzige richtige Lehrerin an der Schule, der Rest wird von jungen Schwestern unterrichtet) ein Kind zu sich und schnitt ihm, bewaffnet mit einer etwas größeren Bastelschere, ein Stück der kurzen Haare ab. Da die Kinder hier, so wohl die Jungen wie auch die Mädchen, fast alle kurze Haare haben, hatte das Kind nun eine nahezu kahle Stelle auf dem Kopf. Verständnislos sahen wir zu, wie sie den Vorgang noch bei vier fünf anderen Kindern wiederholte. Die Kinder sahen gedemütigt aus, bei Einigen wirkte es schmerzhaft und Andere weinten. Was ist hier gerade passiert??? Charity hatte den Kindern am Vortag gesagt, sie sollen sich Zuhause die Haare waschen, schneiden und schön machen. Viele haben das nicht getan, also schnitt sie ihnen eine nahezu kahle Stelle in die Haare, sodass der Rest Zuhause auch abgeschnitten werden muss. So erzählte sie es uns und lachte dabei herzlich. Wir erwiderten ihr Lachen mit ernsten, verständnislosen Blicken... Was ist wenn die Kinder zuhause gar nicht die Möglichkeit haben sich zu waschen? Können sie nicht die Haare so "lang" tragen wie sie wollen? Das greift doch die Privatsphäre an!... All das schoss uns in dem Moment durch die Köpfe. Wir fühlten uns aber auch nicht berechtigt ihre Autorität in Frage zu stellen und blieben der Auffassung, dass wir es zwar nicht verstehen können aber auch nicht einfach in jahrelange Erziehungsmuster eingreifen dürfen.


Um Respekt zu bekommen, schlagen die Lehrenden die Kinder hier. Das wir das nicht tun, haben die Kinder ziemlich schnell durchschaut. Wir haben also jeden Morgen einen Haufen aufgedrehter Kinder vor uns, deren Bildungsstand bei nahezu Null ist, die kaum ein Wort Englisch sprechen und die am liebsten jeden Konflikt mit Gewalt lösen möchten (Schlagen als Erziehungsmaßnahme erzeugt Gegengewalt?). Sie rauben einem zwar sämtliche Nerven aber man ist doch immer wieder unglaublich stolz, wenn man das Gefühl hat, sie haben etwas aus dem Unterricht mitgenommen, sie haben etwas verstanden und wenn sie sich nicht gerade um das Radiergummi kloppen, sind die Kinder sogar auch unglaublich süß. Unsere Geduld, unser Einfühlvermögen, unsere Fußballkompetenzen und unser gesunder Menschenverstand sind hier also sehr gefragt! Habe ich UNSERE Fußballkompetenzen gesagt? Ich meinte natürlich Merets, ich konzentriere mich dann doch mehr aufs Anfeuern! 

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