Montag, 5. Oktober 2015

"Nach meinem Tod werde ich Rosen regnen lassen"

So sprach die Ordensgründerin und Heilige der Sisters of the Child Jesus, Therese von Lisieux. Sie wurde von unseren Schwestern am Donnerstag gebührend gefeiert. Es gab nicht nur einen schönen Gottesdienst, ein dickes Buffet und Kuchen zur Feier des Tages, nein es gab sogar Bier und das gibt es bei unseren Schwestern wirklich nur an ganz besonderen Tagen. Während uns der verrückte Ire, Brother Dominik, die deutsch Nationalhymne auf einer Arte Eisenblockflöte vorspielte genossen wir also unser Bier, das Beisammensein und feierten die heilige Therese. 

"Eeeee - Elephant" "Iiiii - Ice-cream"... so hört man die Kinder in den Pausen vor sich hersummen und ist mit Stolz erfüllt, dass sie das Alphabet so langsam auf die Reihe bekommen und unsere Lehrmethoden sie sogar in den Pausen zu begleiten scheinen. Eigentlich nahezu unglaublich, dass sie bei dem Lärmpegel in den Unterrichtsstunden tatsächlich etwas lernen können: beeindruckend diese Kinder!
Völlig unkontrolliert und zügellos schreien die Kinder mal wieder durch den Klassenraum, laufen über die Tische und hören kein Stück zu, was Madamme Meret und Madamme Poolin ihnen versuchen beizubringen. Madamme Poolin ist ziemlich erbost, stellt sich vor die Klasse und sagt, dass sie und Madamme Meret keine Lust mehr haben die Klasse zu unterrichten, wenn sie sich so daneben benehmen und ab morgen wieder die alte Lehrerin die Klasse übernehmen wird... Es ist auf einmal muksmäusschen still, alle sitzen auf ihren Plätzen und es kommt nur ein schüchternes "Sorry, Madamme" von einer der Schülerinnen. Halt stopp! Seit wann verstehen die Kinder Englisch? und träume ich oder kann ich tatsächlich meine eigenen Schritte hören, da es so leise ist!? Wie gesagt: Beeindruckend diese Kinder! 


Um einen Ausgleich zum Unterricht zu haben, tut das Nachmittagsprogramm sehr gut, das aus Spiel und allgemeiner Freizeitgestaltung besteht. Die Kinder sind motiviert, aufmerksam und ich kann ihnen ein Spielpartner und Freund sein, anstelle der strengen Lehrerin, die ich auch eigentlich gar nicht für sie sein möchte. Man geht also letztendlich am Nachmittag doch immer mit einem Lächeln aus der Schule und denkt sich wie unglaublich süß diese Kinder doch eigentlich sein können. 



Was ich sonst so erlebt habe? Völlig unvorbereitet kam ich einen Morgen aus der Klasse auf den Schulhof und direkt vor meinen Augen holte eine der jungen Schwestern mit einem Stock aus und schlug einem der Jungen ziemlich feste auf die Finger. Aus Reflex rief ich "Auuuua, stopp!" aber meine Stimme ging unter und es war auch schon wieder alles vorbei. Unglaublich gerne wäre ich einfach dazwischen gegangen und im Nachhinein frage ich mich auch, was war so schwer daran? Aber in dem Moment habe ich mich einfach nur unglaublich klein und hilflos gefühlt. Immer diese Frage im Hinterkopf: Darf ich das? Darf ich ihre Autorität so in Frage stellen? aber was doch eigentlich viel wichtiger ist: Darf sie das?... Nein! Also hoffe ich, dass ich nächstes Mal vielleicht den Mut aufbringe, mit ihr darüber ins Gespräch zu kommen. 


Mein Wochenende war voll mit neuen Begegnungen. Am Samstag waren wir bei einer deutschen Familie hier in Kasama zum Kaffee eingeladen. Deutsch Sprechende, eine Waschmaschine, Bananenkuchen und Planungen für den nächsten Grillabend all diese schönen Erinnerungen an die Heimat brachte uns dieser Besuch. Jule lebt mit ihrer Familie erst seit ein paar Monaten in Kasama aber schon seit einem Jahr in Afrika und während ihr Mann als Missionar auf den Dörfern predigt, genießt sie die Zeit mit ihrer zweijährigen Tochter und ihrem vierjährigen Sohn. Noch drei weitere Jahre werden sie fern von der Heimat sein, dann für ein Jahr nach Hause fahren und noch jeweils zwei weitere Etappen von vier Jahren den Menschen hier den Glauben näher bringen. Eine sehr nette neue Bekanntschaft, die wir dort gemacht haben.
Am Sonntag frühstückten wir bei dem verrückten Iren und am Abend trafen wir die Koplingmitglieder aus Kasama, die gemeinsam mit uns und unseren Erfahrungen aus Deutschland hier die erste Kolpingjugend in ganz Sambia ins Leben rufen wollen. Die Kolpingjugend Steinheim ist übrigens schon jetzt herzlich eingeladen das nächste Sommercamp hier in Sambia zu veranstalten!! Falls also jemand im Lotto gewinnt, wir sind für jegliche Geldspenden zu haben! Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Arbeitswoche in Deutschland :)

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