Dienstag, 1. Dezember 2015

Zwischenbericht nach drei Monaten..

Afrika- Leben in völliger Armut, Hungersnot, Mangel an Bildung, ein Kontinent noch voll in der Entwicklung und du kannst helfen! 

In den ersten Tagen habe ich mich oft schlecht gefühlt, wenn ich in meinem Zimmer am Handy saß, weil ich immer dachte "hey du bist hier um zu helfen, vielleicht schaffst du es ja etwas zu verändern aber bestimmt nicht, wenn du dich in deinem Zimmer verkriechst". Wenn ich sehe, dass ein Kind geschlagen wird, dann muss ich doch dazwischen gehen oder? Die Menschen hier brauchen doch alle meine Hilfe oder? Die wollen doch auch alle so leben, wie wir in Europa oder? Den Menschen fehlt hier doch an so Vielem, da muss ich ihnen doch etwas entgegen bringen oder? Für mich wurde irgendwann klar ich muss gar nichts. Ich mache einen Freiwilligendienst in einem Day Care Center für Kinder aus sozialschwachen Familien, unterrichte sie, gemeinsam mit einer anderen Freiwilligen, in so ziemlich allem Erdenklichen, denn sei es Gruppenarbeit, Lesen oder Klassenregeln, diese Kinder fangen bei Null an. "Ihr macht RICHTIGE Sozialarbeit" betont die Sister immer wieder und schmunzelt über einige andere Projektstellen, "ihr arbeitet für eine Einrichtung, die am Limit arbeitet"... Haben wir nicht alle auf Europa verzichtet und leben nun in Afrika? sind wir nicht alle Freiwillige? und haben wir nicht alle morgens eine kalte Dusche, vormittags kein Strom und abends Nshima auf dem Tisch? Ich bin jetzt schon wahnsinnig stolz darauf in neun Monaten sagen zu können, ich habe ein Jahr lang einen entwicklungspolitischen Freiwilligendienst in Afrika absolviert und ich freue mich schon nach drei Monaten sagen zu können, ich kann den Menschen hier Gutes tun. Die Kinder sind glücklich zwei Lehrerinnen zu haben, die sie nicht schlagen, Sister Melania freut sich nicht immer alleine Mittagessen zu müssen und die Menschen auf der Straße bekommen ein Staunen in den Augen oder ein Lächeln auf den Lippen, wenn sie eine Weiße sehen. Ich kann helfen, indem ich ich selbst bin: Was gibt es bitte Schöneres?


"Muzungu, Muzungu" wirst du auf der Straße angeschrien und du regst dich tierisch auf, denn du rufst in Deutschland ja auch nicht "ein Schwarzer, hey Schwarzer", wenn dir ein Dunkelhäutiger über den Weg läuft. Ihr habt eine komplette Weihnachtsfeier organisiert, dafür auch ziemlich viel  aus eigener Tasche bezahlt und du fragst dich, warum die Menschen dir nicht einmal ein Danke entgegen bringen, warum sie so tun als sei all das selbstverständlich. Die Küchenfrau sagt dir, dass du fett bist, lacht dabei als hätte sie dir gerade ein Kompliment gemacht und du denkst dir, wo sind ihre Manieren geblieben. In vielen Punkten ist es schwer die Kultur hier zu verstehen und du fragst dich, ob die Menschen hier so ungebildet sind oder du einfach ein Spießer. 


Du schaffst gerade mal die Begrüßungen auf der Einheimischensprache aber die Menschen lieben dich dafür, als seist du Eine von ihnen. Du bindest dir einen Stofffetzen um die Hüften, hast den Sinn dahinter zwar noch nicht ganz verstanden aber irgendwie machen das alle hier so und der Fetzen sieht ja irgendwie auch ganz gut aus. Daraufhin sagen dir die Menschen du seist eine richtige Sambierin, du wüsstest wie man ein Chitenge bindet und du seist gut integriert. Du willst dem Mann auf der Straße eigentlich nur hallo sagen, das macht man in deinem Dorf schließlich auch bei jedem, der dir über den Weg läuft und er fragt dich direkt wie es dir geht, wie dir Sambia gefällt, wie dein Essen war und ob du gut geschlafen hast. Wenn ich über all das nachdenke, bekomme ich ein Lächeln auf den Lippen, denn die Menschen sind hier so unbeschwert, so unkompliziert. 


Du sitzt im Bus auf dem Weg nach Lusaka, um deine Freundin zum Flughafen zu bringen, die zurück nach Deutschland reist. Sie fragt dich: "denkst du dir manchmal für einen kurzen Moment, eigentlich würde ich auch gerne mitfahren zurück nach Deutschland?" Du denkst kurz darüber nach und sagst dann: "nein, ich habe das Gefühl ich bin hier noch nicht fertig, mein Jahr ist hier noch nicht zuende und ich mache mich am Sonntag wieder auf den weg zurück nach Hause, nach Kasama."

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