Sonntag, 13. März 2016

Bischof, Präsident und die Weißen

Vier Stunden Busfahrt hin, vier Stunden Busfahrt zurück: Kann man schonmal auf sich nehmen für eine drei stündige Messe in der prallen Sonne.

 Am Samstag wurde irgend so ein Priester zum Bischof geweiht, Präsident Lungu war auch am Start und wir waren dabei!! Es war ein unglaublicher Andrang von Menschen, überall Security und bewaffnete Sicherheitsleute, ein Zelt voll Nonnen, ein Zelt voll Priester, ein Zelt voll Politiker und ringsherum Menschen von überall, ja dabei sein war hier wirklich alles!

Der Präsident, Edgar Lungu, wird hier gefeiert wie kein Zweiter. Im Sommer stehen die Wahlen vor der Tür aber ich habe bisher noch von keinem Gegenkandidaten gehört. Frauen mit Lungu Chitenge, Männer mit Lungu T-Shirt, es vergehen keine Fernseh-News ohne seine Persönlichkeit erwähnt zu haben und auf der Straße ruft dir hin und wieder mal jemand völlig zusammenhangslos und super enthusiastisch "Luuuunnngguuu" entgegen. Am Samstag saß er quasi 20 Meter von mir entfernt, im Zelt der Anzugträger, ohne großartigen Personenschutz und bis zu seiner Rede hatte ich ihn gar nicht bemerkt. Seine Rede musste er kurz halten, denn das hier war nicht seine Plattform. Hier ging es schließlich um den Bischof, der sich auch ausreichend Mühe gab, seine Rede dafür doppelt so ausführlich zu gestalten.
Lungu auf seinem Sofa




Ach übrigens,  bevor ich es vergesse, mit Rasta ist jetzt schon wieder basta! War eine nette Erfahrung aber die Nächte waren dann doch zu schlaflos, die Unbeweglichkeit, durch das enorme Gewicht auf dem Kopf, hat mich Zappelphillip wahnsinnig gemacht und gejuckt hat es auch wie verrückt. Als ich dann diesen einen Morgen zur Schule kam, feststellte, dass ich nur zwei Schülerinnen habe und meine Unterrichtsvorbereitung vorne und hinten nicht auf zwei ausgerichtet war, brauchte ich ja dann schnell ein neues Programm... und nein auch wenn es auf dem Foto vielleicht so wirkt, es handelt sich hier nicht um Kinderarbeit, wir hatten eine Menge Spaß und sie wurden durchaus gut bezahlt mit einem Lolly und den übrigen Extensions, mit denen man vermutlich Perrücken für eine ganze Familie basteln kann.

in der Pause kamen noch ein paar Helfer dazu!




Was bedeutet es eigentlich weiß zu sein?

Dieser Frage begegne ich hier immer wieder. "Die Weißen haben Geld!" "Bei den läufts!" "Die sind was Besonderes!"... Schön hört sich das an, man steht wirklich immer im Mittelpunkt, alle scheren sich darum DIR hallo zu sagen und ja du wirst durchaus als was total Besonderes angesehen... Was ist aber wenn du das gar nicht willst? Du möchtest Eine von ihnen sein, nichts Besonderes, nicht jemand Bessergestelltes, nicht jemand anderes! Es gibt nichts Peinlicheres und Unangenehmeres, als wenn alle um dich herum stehen müssen aber der Weißen wird ein Stuhl gebracht. Es gibt nichts Ätzenderes, als wenn allen auf dem Markt der richtige Preis gesagt wird, aber bei dir werden direkt nochmal 20 Kwacha mehr dazu gesagt. Es gibt nichts Nervigeres, als wenn du bei jedem dritten Mann, mit dem du in ein interessantes nettes Gespräch kommst, dieses abbrechen musst, da er dir nach den ersten zehn Minuten seine unsterbliche Liebe gesteht, die natürlich nicht wegen deiner Hautfarbe aufkommt, sondern es war Liebe auf den ersten Blick. Du fragst dich, was in dem Kopf des Mädchens neben dir vorgeht jetzt, wo du von jedem zweiten auf der Straße gegrüßt wirst, dir drei mal ein Lift angeboten wird und ihr nicht ein Einziger... 

Ich genieße es in vollen Zügen hier nicht irgendwer zu sein, ein niemand oder ein jeder. Das die Menschen nicht stumm, unkommunikativ und kühl an einander vorbei laufen, sondern sich Zeit für Begrüßungen nehmen, aufsehen für ein Lächeln und einem mit nur einer Handbewegung eine Menge Respekt entgegenbringen. Es sind keine kühlköpfigen Anzugträger, die mit den Gedanken nur bei ihrem nächsten Auftrag und bei sich selbst sind, sondern Menschen, die sich füreinander interessieren. Man hat das Gefühl dort super schnell rein zukommen, aufgenommen zu werden, ein Teil dieses Miteinander zu sein aber leider wird dir dann doch immer eine Special-Rolle zugesprochen, denn du, du bist schließlich weiß... und der eine, der aus dem Asylantenheim gegenüber, der ist schließlich schwarz... Andersfarbig sein egal, ob ungewollt oder von Natur aus, auf jeden Fall anders!

FarbenFROH!

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