Sonntag, 20. März 2016

Musenga

Nach 50 Minuten laufen, legt der kleine John auf einmal seinen Arm um meine Schulter, Gift tut es fast zeitgleich bei Meret. Jedem Typen, der uns entgegen kommt, rufen sie etwas auf Bemba entgegen und machen dabei eine lässige Kopfbewegung in unsere Richtung. Sie scheinen unheimlich stolz zu sein. "This is Musenga, Madame" sagt der kleine John. Viele kleine Häusschen aneinander gereiht, das Leben spielt sich draußen ab, Frauen die auf Kohle Nshima anrühren und eh ich mich versehe bestimmt fünfzehn Kinder, die uns auf Schritt und Tritt verfolgen.



"Madame, Madame this is the home of John" schreit Gift von vorne. John wird auf einmal ganz zurückhaltend, will dringend weiter gehen, er scheint sich zu schämen. Ich wollte ihm gerade sagen, dass wir ruhig weiter gehen können, wenn ihm das unangenehm ist, als uns eine kleine Frau vom Weiten zu sich winkt und willkommen heißt, Johns Mutter. Sie begrüßt uns, als seien wir alte Bekannte. Unglaublich offenherzig. Sofort wird den beiden Weißen ein Hocker geholt und so sitzen wir da, inmitten von 20 neugierigen Gesichtern, inmitten der halben Nachbarschaft. Es ist zwar alles sehr einfach und klein hier aber die Herzlichkeit der Menschen, macht es zu einem Zuhause. Zu einem Zuhause, wo Wohlgefühl und Liebe auf dich warten.

John und ein Teil seiner Familie
die beiden Weißen...

Einige Meter weiter erreichen wir Freemans Haus. Wir lernen seine Geschwister kennen und voller Stolz wird noch ein Familienfoto vor der Haustür geschossen.


Die letzte Station ist Gifts Zuhause. Gift lebt bei seinen Großeltern. Auch seine Großmutter bietet uns sofort einen Sitzplatz an und während ich mich umschaue bemerke ich, wie unsere Gruppe größer und größer geworden ist. Gifts Großmutter kann zu unserem Überraschen Englisch und ist unheimlich stolz, als wir erzählen was für ein guter, eifriger Schüler ihr Enkel ist. Sie bietet uns den letzten Rest Essen an, den sie in einen der Töpfe noch finden kann aber dankend und völlig angetan von all dem, was gerade in der letzten halben Stunde passiert ist, wer uns begegnet ist, lehnen wir ab.

Gift und seine Großmutter
Als ich die Jungs eine Woche zuvor fragte, ob wir sie vielleicht mal nach Hause bringen könnten, war ich echt super aufgeregt, wie die Menschen reagieren werden. Ich hatte Angst, dass wir das Bild der reichen Weißen abgeben, die sich mal anschauen wollen, wie armen, leidenden Menschen so leben. Das wir die Menschen einschüchtern, ihnen ein Schamgefühl bereiten oder das wir nur als potentielle Spender angesehen werden... Als Meret und ich nun auf dem Weg nach Hause waren, konnte ich nicht aufhören von diesem Besuch zu sprechen. Die Menschen waren so offen, herzlich, stolz und begrüßend. Von allen Seiten wurde einem mit freundlichen Gesichtern ein Gruß entgegen gerufen und ein Respekt zugesprochen. Musenga wirkte auf mich lebensfroh, lebensnah, einfach lebendig!! .......... Aber ich bin ja auch nur der außenstehende Betrachter, der auf einen kurzen Besuch vorbei schaut und dann wieder zurück in sein komfortables Leben zieht. Was heißt es wohl, dort zu leben? Und wie viel Respekt bedarf es denjenigen, die in so einem Leben, in so einer Welt, noch so eine positive Lebensenergie ausstrahlen können? Sicherlich einer Menge!!!!


Am nächsten Morgen wusste das ganze Tetekela, dass wir die drei Jungs nach Hause begleitet haben. "Today again, Madame?" "Today at my house?"... Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen aber ganz gewiss again...






and by the way, happy Palmsunday!
 

selbstgebastelte Palmstöcke

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