Sonntag, 29. Mai 2016

Zwischenbericht nach neun Monaten..

9 Monate! Sicherlich hat Pauline sich dort in Afrika schon richtig was aufgebaut. Sie hat einen festen Freundeskreis, mit dem sie sich regelmäßig trifft, die Kinder sehen sie wie eine Ersatzmami an, es gibt regelmäßige Spielabende mit den Nonnen und vielleicht ist sie sogar zu einem ganz anderen Menschen geworden.

Das sind nicht irgendwelche Erwartungen, das waren meine! So habe ich es mir immer vorgestellt, bevor ich hier her kam.

9 Monate! Regelmäßig triffst du dich mit deinen anderen weißen Freunden. Mit fünf Freiwilligen in einer Stadt ist dein Freundeskreis quasi schon vorbestimmt, ein Besuch bei den deutschen Missionarsfamilien fühlt sich wie Heimat an. Wenn du morgens zur Schule gehst, laufen dir die Kinder freudig in die Arme. Auch du erwiderst es mit einem breiten Grinsen im Gesicht und musst dann anfangen, die Fegearbeiten zu verteilen und dafür sorgen, dass die Toiletten sauber gemacht werden. Zwischenzeitig kannst du mit ihnen rumalbern, im Unterricht musst du lautstark schreien, damit Ruhe herrscht. Mal bist du die ätzende Lehrerin, mal bist du eine liebe Freundin. Die Nonnen sind viel unterwegs, du bist viel unterwegs. Du und deine Mitfreiwillige, ihr habt die Nonnen ein paar mal bekocht, um mehr Zeit mit ihnen zu verbringen aber ein Spielabend fühlt sich irgendwie unpassend an. Mal herrscht bedrückende Stille am Esstisch, mal wird zusammen gequatscht und gelacht als wärt ihr alte Bekannte. Durch das sambische Zeitverständnis hast du an Geduld dazu gewonnen. Sicherlich bist du auch weltoffener und mutiger geworden. Ansonsten reißt du immer noch die schlechten Witze von früher und zeigst keine neuen enormen Stärken und Kräfte auf oder bist innerlich bedeutend gewachsen und gereift.

Das ist nicht irgendein Leben hier in Afrika, das ist mein Leben!

9 Monate! Ich habe die anderen Freiwilligen hier unheimlich schätzen gelernt, merke wie wichtig es mir ist, auch in Zukunft mit ihnen Kontakt zu halten, denn ich bin mir sicher, zurück in Deutschland, werden sie mir ein Stück von dem geben, was mir kein anderer dort geben wird, ein Stück Sambia. Die Momente, wenn eines meiner Kinder mir in die Arme läuft, wenn Unice "Poolino" ruft, Romano versucht mich im Daumencatchen zu besiegen oder der kleine Junior mal wieder mit Ziegenfüßen vor mir steht, werde ich nie vergessen. Oft höre ich Geschichten, wie andere Freiwillige Probleme haben mit ihrem Leben bei Ordensschwestern und bin unglaublich dankbar, dass wir uns so gut mit ihnen arrangieren. Das wir eine Community sind, die Schwestern, Meret und ich. Ich war fast zu Tränen gerührt, als ich eine Mail meiner Koordinatorin bekam, dass die einzige Forderung unserer Schwestern an die neue Freiwillige sei, dass sie genauso wie Meret und ich sein soll. Wenn mich jemand fragt ob ich mich verändert habe, würde es mir schwer fallen das jetzt schon zu beantworten. Ich denke die vielen kleinen Veränderungen, die dieses Jahr im meinem Denken, Handeln und Sein ausgemacht haben, werde ich erst merken, wenn ich zurück in Deutschland bin, Andere mich darauf hinweisen oder ich mich dieser neuen Begabungen bewusst bediene. Wahrscheinlich würde ich aber zunächst einmal antworten "Nein, ich bin immer noch genauso lässig wie vorher!" und jeder würde sagen "okay, die hat sich eindeutig kein Stück verändert."

Ich lebe hier nicht irgendeine Vorstellung, ich lebe mein eigenes, ganz individuelles, schönes Leben. Ein Leben, wie ich es mir nie erdacht hätte aber ein Leben in dem ich mich wohlfühle, für das ich selbst verantwortlich bin und wofür ich die Verantwortung mit Freunden trage. Es läuft nicht immer alles so, wie man sich das ausgemalt hat und mich mit diesem Gedanken anzufreunden, hat mir einige Stunden gekostet aber anders heißt nicht gleich schlechter, diese Weisheit durfte ich Gott sei dank sehr schnell für mich feststellen.

Noch 3 Monate! Viel Zeit mit meinen Kindern, reisen mit meiner Familie, viel Lachen mit den Nonnen, Frühstücken bei Brother Dominik, Charity besuchen, Burger-Abend mit den Krämers, Härtlers zum Kaffee einladen, Sterne gucken mit Meret, Abschiedsgeschenke vorbereiten, Kochen für die Nonnen, Onno in Kitwe besuchen, noch einmal zur Waterfront in Mpulungu, ein Bierchen mit Meret auf dem Klettergerüst trinken und dabei ein Fußballspiel von Kasamaboys auf der anderen Seite der Mauer anschauen, alle Menschen auf Fredi und meiner Sambiaflagge unterschreiben lassen, ganz viele Souvenirs kaufen, Nshima kochen, Juliet zeigen wie man einen Kuchen backt... alles mitnehmen was geht!

Das sind nicht irgendwelche Vorhaben, das ist meine To-do-Liste für die nächsten drei Monate. Es kommt nicht immer alles wie geplant, das weiß ich ja nun aber "es gibt zwei Arten sein Leben zu leben: Entweder so, als wäre nichts ein Wunder, oder so, als wäre alles eins" (Albert Einstein). Auf drei wundervolle letzte Monate!

 

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